Übersicht der Reviews

Reviewtexte

  • Metal Hammer

    Ausgabe 9/2006 | Punktzahl 5/7


    Eine Kombination aus Progressive- und Death Metal. Das soll auf der aktuellen CD der deutschen Band Distream zu hören sein. Das Erste, was man allerdings um die Ohren gehauen bekommt, ist ein ziemlich nerviges und damit überflüssiges Intro, das mit seinen piepsigen Drumloops ein wenig an Experimente früher Sequenzer-Programme erinnert. Geschenkt! Denn was danach kommt, kann sich durchaus hören lassen. Aber der Reihe nach: Nach dem Intro geht das Album direkt in die Vollen. 'Refused' knallt in klassischer Melodic-Death-Manier los. Mit 'Insomnia' und 'Flood Of Tears' folgen ähnliche Granaten. In Flames oder Dark Tranquility hätten es nicht besser gekonnt. Die Vorbilder sind nicht zu leugnen. Dazu bringen Distream allerdings zwei Qualitäten ins Spiel, die das Album innerhalb seiner Genregrenzen deutlich von der Konkurrenz abhebt: Zuerst fällt die Stimme von Sänger Markus Weinheimer auf, der durchgehend hervorragend growlt. Zusätzlich zaubert er in einigen Songs clean gesungene Passagen aus seiner Kehle, deren ungewöhnliche Melodien von allererste Güte sind ('One Step Closer') und die Songs tatsächlich auf eine progressive Stufe heben. Daneben erschaffen Distream echte Eigenständigkeit, dass die Songs durchgehend brutal und aggressiv bleiben. Trotz zahlreicher Riff-Spielereien, vielen cleanen Gitarrenparts und teils jazziger Akkorde, verzetteln sich Distream nicht. Es kommt zu keinem unübersichtlichen Stilwirrwarr, sondern zu einer echten Fusion. Das Album hält seinen Kurs in der Death Metal-Fahrrinne und bleibt damit eingängig. Ein gutes Album, das zeigt, dass Melodic Death Metal nicht immer wie In Flames und Co. klingen muss.

    Autor: Jan Fleckhaus


  • The Metal Observer

    21.08.2006 | Punktzahl 8/10


    DISTREAM… Eine Weile lang dachte ich, das wäre der Name des Labels statt der Name der Band, muss an der Schriftart im Promoblatt liegen. Wie auch immer, der Eröffnung nach zu urteilen, zweifelte ich, ob das hier eine dieser Bands ist, wo es gerechtfertigt ist, sie wild dafür runterzumachen, dass sie eklatant unoriginell sind, ungeachtet der Qualität, die in diesem Fall ziemlich hoch war. Sobald „Refuse“ beginnt, dreht sich das Wort „Göteborg“ unaufhörlich vor deinen Augen und du fängst an, dich zu fragen ob die WITHERING SURFACE, die IN FLAMES sind, jemals einen Zustand der DARK TRANQUILLITY erreichen wird. Verzeiht die Wortspiele, aber es sei offen gesagt, dass DISTREAM melodischen Death Metal spielen.

    Nun, da ihr alle Hoffnungen bezüglich dieses Albums verloren habt, lasst mich weitermachen, indem ich sage, dass, bis auf die Eröffnung, nicht alles ganz schlecht ist. Und obwohl das Genre weit übervölkert ist, ist das hier eine sehr erfreuliche Platte, die für alle Fans des Genres als Blindkauf angesehen werden kann. So ziemlich alles, was man sich in einem (Melo-Death-) Album wünschen kann, ist vorhanden: eine unglaublich kraftvolle Produktion, die virtuoses Gitarrenspiel in Szene setzt, mit Melodien und Soli im Überfluss, mehreren Gesangsarten, die von tief über nicht so tief bis hin zu Grunzen reichen, und klare Vocals, die wirkungsvoll platziert sind. Diese Vocals, in Kombination mit der donnernden Rhythmusabteilung, welche auch die gesamte Scheibe über stark ist, verleihen dem Album fast schon einen Power-Metal-Touch.

    Rein auf dem Verdienst der Musik basierend, ist das hier ein großartiges Album; falls Originalität für euch ein wichtiger Faktor ist, wollt ihr vielleicht ein paar Punkte abziehen, obwohl es DISTREAM gelingt, einige nette Touches sowie eine für ein Album dieses Stils überdurchschnittliche Menge Heaviness hinzuzufügen.

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    english version:

    DISTREAM… For a while I thought this was the name of the label instead of the band, must be because of the font on the info sheet. Anyway, judging by the opening I was in doubt as to whether this was one of those bands where it is justified to bash them furiously for being blatantly unoriginal, regardless of the quality, which was in this case pretty high. Once “Refused” starts playing the word “Gothenburg” is spinning before your eyes unstoppably and you start to wonder if the WITHERING SURFACE that is IN FLAMES will ever reach a state of DARK TRANQUILLITY. Excuse the puns but let it be obvious that DISTREAM plays melodic Death Metal.

    Now that you have lost all hope for an original record let me continue by saying that, bar that opening, it’s not all that bad at all. And despite that the genre is mega-crowded this is a very enjoyable record that can be considered a blind purchase to all fans of the style. About everything you could wish for in a (Melo-Death) Metal album is there: an incredible powerful production showcasing virtuous guitar playing, abundant with melodies and solos, multiple vocal styles ranging from deep to not so deep grunts, and clean vocals that are effectively placed. These vocals almost give a Power Metal touch to the album, in combination with the thunderous rhythm section that is also strong throughout this disc.

    Based purely on the merits of the music this is a great album; if originality is a big factor for you, you might want to deduct some points even though DISTREAM manage to add some nice touches and also an above average amount of heaviness an album in this style.


  • POWERMETAL.de

    22.07.2006


    Na, aber hallo! Manchmal gibt es doch noch positive Überraschungen im hoffnungslos übersättigten Metalmarkt und es kommt eine Band daher, die erfrischend eigenständig und anders klingt. So geht es mir mit dem zweiten Album des deutschen Quartetts DISTREAM.

    Eine recht eigenwillige Kombination aus melodischem Death/Thrash und progressiven Elementen zockt die Truppe und legt dabei enormen Spielwitz an den Tag. Bereits der Opener 'Refused' legt mit einem knackigen Thrashriff los, das THE HAUNTED wohl nicht besser hinbekommen hätten. Jedoch spicken die Vier den Song mit zahlreichen Breaks und ungewöhnlichen Harmonien, so dass er sich vom Gros der modernen Death/Thrash-Szene wohltuend abhebt. Auch beim Gesang geht man Experimente ein im Verlauf des Albums. So fließen cleane Vocals mit ein, die allerdings nicht als weich gespülte Ohrwurmrefrains fungieren, sondern vielmehr konträr zu den aggressiven Songs meist eher sphärisch-verträumt daherkommen. Allzu perfekt sind die klaren Gesangslinien allerdings noch nicht, manchmal klingt Sänger Markus Weinheimer unsicher und etwas dünn. Aber das macht die Band eigentlich nur noch sympathischer in Zeiten von sterilen Breitwandproduktionen eines Herrn Madsen aus Dänemark.

    Unterm Strich ein sehr viel versprechendes Album einer jungen Band, die den Spagat zwischen eingängigen Brechersounds und anspruchsvoller Musik souverän meistert und somit für jeden Fan von Bands wie THE HAUNTED, DEW-SCENTED, aber eben auch LYZANXIA oder INTO ETERNITY interessant sein dürfte. Alle verfügbaren Daumen hoch für DISTREAM, hoffentlich kommt da noch mehr!

    Anspieltipps: Refused, Flood Of Tears, One Step Closer

    Autor: Kilian Fried


  • Metalglory Magazine

    29.05.2006 | Punktzahl 7.5/10


    Die deutsche Band DISTREAM ist schon lange im Underground aktiv. Mitte der 90er unter dem Namen THORN gegründet, entstand in dieser Zeit eine 4 Track EP, ehe nach diversen Besetzungswechseln und der Umbenennung in DISTREAM 1999 eine weitere 5 Track EP aufgenommen wurde. In der Folgezeit absolvierte die Band einige Konzerte u.a. mit CRACK UP, NIGHT IN GALES, DEW-SCENTED und DISBELIEF. Ende 2004 ging es dann wieder ins Studio, um die aktuelle CD "The Dreadful Moments" einzuspielen. Das Quartett aus Rotenburg an der Wümme bietet 45 Minuten Melodic Death Metal mit eingängigen Refrains. Flotte Uptemposongs wie "Refused", "Flood Of Tears" und "The Dreadful Moments" orientieren sich erkennbar an den Marktführern in dieser Szene. DISTREAM lehnen sich allerdings nicht 1:1 an ihre Vorbilder, sondern versuchen durch den Wechsel der Stimmung innerhalb der Kompositionen, die Musik unterhaltsam zu gestalten, indem sie aggressive und sanfte, melodische Passagen zu einer Einheit verschmelzen. Dies geschieht beispielsweise auch durch den Kontrast beim Gesang, wenn die Vocals wie beim leicht progressiven "Insomnia" anfangs Death Metal-like tief grunzend, und dann wieder mit klarer Melodiestimme gesungen werden.

    Ein Anspieltip aus meiner Sicht ist "One Step Closer", weil er die kompositorische Bandbreite der Musiker aufzeigt. Man startet im Uptempo, dann folgt ein Akustik-Break, wieder mit Wechselgesang, um den Song am Schluß mit regelrechten Powermetal Riffs und Soli ausklingen zu lassen. "Increasing My Insanity" und "An Ancient Curse" fallen ein bißchen ab, weil sie vom Aufbau her zu wenig im Vergleich zu anderen Tracks auf dieser CD bieten. Etwas für Death Metal untypisch sind die Texte, die sich nicht im häufigen Klischee-Rahmen von Tod und Teufel bewegen, sondern sich mit eher persönlichen oder zwischenmenschlichen Erfahrungen beschäftigen. Der letzte Song "Twisted Mind - Broken Soul" bietet ähnlich viele Facetten wie "One Step Closer". Am Ende steht die Erkenntnis, daß "The Dreadful Moments" ein solides Album geworden ist, das man von seiner Komplexität allerdings nicht einfach locker nebenbei hören kann.

    Autor: Armin


  • Bloodchamber.de

    09.07.2006 | Punktzahl 6.5/10


    Mit 'The Dreadful Moments' hat es nach längerer Abstinenzphase mal wieder ein Melodic Death Metal Album in meinen CD Spieler geschafft. Nun, Melodic Death Metal ist neben Metalcore derzeit immer noch das blühende Metalgenre überhaupt, auch wenn es neue Bands mittlerweile immer schwerer haben auf sich aufmerksam zu machen, mit Innovationen zu locken und sich so einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erarbeiten. Früher oder später wird halt jedes Genre von dieser Problematik eingeholt. Wieviele unzählige Black- und Death Metal Formationen in der letzten Dekade das Schicksal ereilte im tiefsten Underground und damit der Belanglosigkeit zu versickern, möchte ich gar nicht so genau wissen. Schauen wir mal, ob Distream mit 'The Dreadful Moments' zumindest schonmal Fuß fassen können...

    Eingestimmt wird die Scheibe mit einem ziemlich verwirrenden Intro, denn anstatt eines atmosphärischen Prologs, welcher sicherlich wünschenswert gewesen wäre, ertönt ein 34 Sekunden andauerndes Elektrogeplänkel, das man sich (und auch dem Hörer) meines Erachtens nach besser erspart hätte. Und wie ich es schon befürchtete, erklingen im folgenden die ersten, unweigerlich an In Flames erinnernden Gitarrenriffs des Openers 'Refused', was mich schon ein wenig enttäuschte, erwartete ich doch etwas mehr von einer Band, die sich laut Promosheet Progressivität auf ihr Banner geschrieben hat. Nun gut, da ich nicht der Typ Rezensent bin, der eine Scheibe im Sinne einer Kurzschlusshandlung voreilig bewertet, verblieb ich im weiteren Hörverlauf in objektiver, neutraler Haltung und siehe, hier und da und nach einigen Durchläufen von 'The Dreadful Moments' offenbarte auch diese CD stärkere Momente, welche der etwas verkorkste Anfang erst gar nicht vermuten ließ. Im Songaufbau erwarten den Hörer noch einige Überraschungen und auch ein Hauch der versprochenen Prgressivität kommt zum Vorschein, was besonders bei einem Stück wie 'Increasing My Insanity', dem mit Abstand stärksten Song des Albums, deutlich wird.

    Fazit: Die Jungs zeigen, dass es auch anders geht und sie sehr wohl dazu imstande sind individuell zu klingen. Sollten sich Distream weiterentwickeln, an ihrer Professionalität feilen und das Qualitätsniveau in Sachen Produktion anheben, dann würde uns mit dem nächsten Album ein Werk ins Haus stehen, mit welchem sich die Band durchaus einen Namen innerhalb der deutschen Melodic Death Metal Szene machen könnte.

    Autor: Florian Pfeil


  • Metalspheres

    11.08.2006


    Die Beipackzettel, die jeder Bemusterung beiliegen, sind manchmal ein Kuriosum. Da wird der unfähigste Hans Wurst als die neue Hoffnung mit Worthülsen abgefeiert, die jeder Beschreibung spotten oder ein besonderes Merkmal der Band wird extra dick hervorgehoben. In diesem Fall sind die Texte von Distream einer längeren Ausführung bedacht worden. Angeblich will die Band keine neue Welt kreieren! Ach ja! Gott spielen ist also nicht so das Ding der Band! Die üblichen Metal Klischees von Tod und Teufel bleiben außen vor! Was ist mit Drachen, Schlössern, in Not geratenen Burgfräuleins, Schwertern und Zauberei, Militärhistorie, philosophischen Betrachtungen im allgemeinen oder einfachen Saufliedern? Zwischenmenschliche Beziehungen, resultierend aus eigenen Erfahrungen und somit ein persönlicher Ansatz, sich der Musik zu nähern? Das haben andere auch schon gemacht! Bliebe somit nur die Musik.

    Die Einleitung, die kurz und knapp ausgefallen ist, ist Gott sei Dank nur der einzige Schreck dieser CD. Danach lässt es das Quartett aus den nördlichen Hemisphären unserer Republik ordentlich krachen. Auf der Basis von Death Metal, schwedischer wie amerikanischer Prägung, gestaltete die Band 10 Titel (minus Intro), die nicht einfach sinnlos eingetrümmert wurden. Egal ob „Refused“ oder „Insomnia“, sicherlich nicht immer auf Neuerung bedacht, aber immer um einen eigenen Stil bemüht, gestalten Distream ihr musikalisches Erstwerk sehr abwechslungsreich. Progressive Einschübe, klare, fast schon alternative Gesangslinien harmonieren perfekt mit einem extremen Grundton, der trotzdem noch klar erkennbare Songstrukturen hat. Die Band ist clever genug, es mit dem Abwechslungsreichtum nicht zu übertreiben und somit läuft keiner der Titel aus dem Ruder. Auch wenn ich nie der Death Metal Fan werde, gibt es hin und wieder Überraschungen, die ich so nicht erwartet hätte. Neben den leider immer noch fast unerhörten The Atmosfear gehören Distream für mich zu den besseren Angeboten deutscher Todesblei-Vollbedienung. Ein gutes Debüt, dass Genreliebhaber durchaus auf ihren Einkaufszettel schreiben können.

    Autor: Peter


  • Lärmbelästigung Zine

    21.12.2005


    „Verdammte Hölle, da zieht selbst Herr Fer, die Luzi, den Schwanz ein! Was einem hier durch die Gehörgänge brettert ist das leibhafte Inferno (in sauberen 11 Tracks auf Scheibe gebannt)! Nach dem kurzen Intro knallt einem die DISTREAM-Todeskutsche aus dem hohen Norden mit „REFUSED“ einen viereinhalb Minuten Horrortrip um die Ohren und in die Schnauze! Bitterböses Uptemporiffing und exzellentes Doublebassrattern paaren sich hier mit tiefen Growls und melodischen (gerne mehrstimmigen) Gitarrenparts. Für Abwechslung sorgt eben genau diese Symbiose aus fiesen, schnellen Parts und harmonischen Druckwellen (verpackt in gutem, sauberen Sound der TTS Music Media Studios). Und so reiht sich Track an Song und Werk an Offenbarung. Das hohe Niveau wird durchweg gehalten, und dank der vielen Details (von derbem Gekeife über tiefes Gekehle bis hin zu (mehrstimmigen) cleanen Vocals, Solideluxe, Blastbeats, dezente Soundeffekte) ist Langeweile ein Fremdwort! Fuß vom Gas gibt’s an sich nicht und wenn doch, dann nur um zu nackenmuskelzerrenden, tighteren Parts zu gelangen. Man nehme das brutale Riffing von MALEVOLENT CREATION („eternal“), die geniale Harmonik von EDGE OF SANITY („purgatory afterglow“), die schnelle Melodik von DEATH („human“) und den Groove von CHIMAIRA („pass out of existence“) und man findet inetwa eine Beschreibung für „THE DREADFUL MOMENTS“, ohne dass DISTREAM hier Replikation der eben genannten vorgeworfen werden kann. Zudem sind dank Hauptmarktschreier Markus Weinheimer und Schießbudenchef Timo Behrens zwei durchaus begnadete Sänger an Bord, die beide (!) melodische Hooklines, sowie die Tiefensause bedienen können, was dem ganzen eine große Portion Eigenständigkeit verleiht. Mal ohne Flachs: dass man so ein von vorne bis zur letzten Note gutes Gebolzewerk gehört hat ist (leider) Ewigkeiten her. Also sagt hübsch artig danke, kauft Euch das Album und KNIET NIEDER, Ihr Unwürdigen!“ (Allen naiven Lesern mit vom Schwermetall weichgebratzten Brägen sei hiermit noch gesagt, daß Lutz für diese Rezension bezahlt hat und Andre jetzt noch die Kohle versäuft! - Karim)

    Autor: Andre


  • ROW-people.de

    Dezember 2005


    ...und wir dachten schon, es kommt nichts mehr. Nach Monaten in den Studios des Osterholzer Dampflabels TTS Media Music und einer schier endlosen Odyssee durch Post und Presswerk, ist Distreams Nackenbrecher "The Dreadful Moments" endlich da. Und übertrifft so ziemlich jede Erwartung.

    Vorweg - nicht nur, weil es so lustig (wir Arschgeigen) ist: MiasmaMiasmaMiasma. Denn deren nie so ganz gesundes Tastenhirn Sven Harms zeichnet sich für diverse Keyboardflächen verantwortlich. Vermutet man Harms auch hinter der Intro - die hört sich nur so an und ist von Maik Plötzki. Und ist nicht unbedingt eine Vorwarnung auf "Refused", das nach 34 Sekunden losbläst. In der Musikwissenschaft nennt man das "Tutti", in der Kriegskunst "Attacke". Wir nennen das: alle zusammen, und zwar so brutal wie geht.

    Was den selbsternannten "FC" Distream schon auszeichnete, als er noch Thorn hieß, gilt auch und vor allem für "The Dreadful Moments": keine Death Metal-Klischees auf den Trikots, keine Verschnaufpause und vor allem keine halben Sachen. Dann lieber doppelt so viele, ohne die Musik zu überladen.

    Man muss noch nicht mal ein Freund des Todmetalls sein, um Distream richtig lieb zu haben. Musiker können zu den vier Perfektionisten prima onanieren, Songs wie "One Step Closer" brennen sich auf seltsame Weise sogar als Ohrwurm in den Kopf. Brutale Popmusik? So weit wollen wir nicht gehen, bestimmt nicht. Doch was die Jungs von anderen Genrekollegen abhebt, ist nicht zuletzt die Fähigkeit, in mehr als einer Tonart zu grunzen, kreischen und zu singen. Dass nicht nur Frontmann Markus Weinheimer stimmlich äußerst vielseitig agiert, dürfte jedem aufgefallen sein, der die Metal-Coverkapelle Iron Priest schon gehört hat. Dort greift nämlich auch Distream-Drummer Timo Behrens zum Mikro - und so bekommen Distream in "Flood Of Tears" doch glatt den True-Metal-Schwerter-Raus-Bonus, wenn Behrens im Refrain "The Battle is lost" schmettert.

    Doch halt: Distream bleiben frei von Klischees... so gut es in ihrem Genre eben geht. Das Schlachtfeld ist in "Flood Of Tears" Mutter Erde, die Soldaten sind die Menschen, die den Satz "mach dir die Erde untertan" etwas zu ernst nahmen: "Man was created to rule the world / what a fatal mistake / ... / Now our god is absent / whom do we turn to?"

    Der Wurf mit wenig klischeefreien Schlagworten zieht sich wie ein roter Faden durch das Album: "mortal agony", "ever-lasting night", "tainting my sanity", und sogar "evil forces" tauchen auf. Die Bildsprache des Todmetalls folgt gewissen Regeln, doch das bedeutet nichts Schlechtes, puzzelt man sie in den Gesamtzusammenhang zurück. Denn zwischen den "furchtbaren Momenten" finden sich viele textliche Schönheiten: "The future remains when time ran to fast" heißt es in "Increasing My Insanity".

    Trotzdem sind es logischerweise Dunkelheit und musikalische wie reale Brutalität, die Distream dominiert. Und so vereint "The Dreadful Moments" mehr lyrischen Weltschmerz als 20 Emo-Bands jemals fabrizieren könnten. Doch selbst in die schnellsten Riff-Attacken baut die Saitenfraktion Weinheimer / Kampschulte / Korte noch Harmonie. Stumpfes Gebolze findet sich nicht, Distream sind auf Platte die Steigerung der Perfektion, die sie auf der Bühne an den Tag (naja: die Nacht) legen. Brutalst schnelle Riffs ("Zweiunddreißigstelnote" ist im Gegensatz zu seiner praktischen Ausführung ein verdammt langes Wort) lösen sich zudem mit harmonischen, groovenden Parts ab, in denen nicht selten auch Miasma-Svens Klangwelten zum Einsatz kommen. Pestilence haben dieses Modell bereits erfolgreich erprobt. Distream können das auch - aber mit Satzgesang. Und jetzt kommst du.

    Doch vor allem Freunde der seligen Death bzw. deren Mastermind Chuck Shuldiner sollten bei "The Dreadful Moments" auf ihre Kosten kommen. Hinter ihren Vorbildern mussten sich die vier noch nie verstecken, was aber nicht heißt, dass Distream automatisch in voller Größe ihre Einflüsse verbergen. Mit mehr als amtlicher Produktion sollte jetzt eigentlich der Siegeszug durch das Genre anstehen. Keine Revolution. Aber ein Siegeszug. Also rauf aufs Schlachtfeld. Ganz klischeefrei ohne Schwert.

    Autor: Arne Hollmann